Der Tag des Fußes

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Irgendwie hat EinsLive einen seltsamen Kalender

Wie ich eben festgestellt habe, ist der Tag des Fußes am 28. Juni gewesen und nicht heute, am 29. Juni… Dazu eine kurze Geschichte:

Vorhin, also am 28., hat mich EinsLive angerufen, der junge Radiosender für NRW. Die haben eine Anfrage gestellt, ob ich am nächsten Tag, dem “Tag des Fußes”, zu einem Radio-Interview bereit wäre – wie auch schon 2014. Das habe ich nach kurzer Überlegung abgelehnt.

Mal ganz davon abgesehen, dass der Tag falsch ist, wo die das zelebrieren wollen :D

Aber die eigentlichen Gründe waren andere. Ich war damals ziemlich enttäuscht, als das Interview stattgefunden hat. Der Moderator hat mich früh morgens um 7:30h angerufen und mir recht hektisch ein paar Fragen gestellt. Man merkte, dass er einen straffen Sendeplan hatte und wohl innerhalb kurzer Zeit einige Dinge abarbeiten musste, während der Song im Hintergrund abgespielt wurde.

Ich kenne das ja als DJ, eine wirkliche Pause kannst du nicht machen, wenn du aufs Klo musst. Man hat im Schnitt nur 3-4 Minuten Zeit, inklusive Händewaschen :) Und dann stellt euch vor, da steht noch jemand neben euch am Pissoir und es läuft nix… Männerprobleme.

Jedenfalls waren die Fragen des Moderators recht oberflächlich und jeder Versuch von mir, in die Tiefe zu gehen, wurde kurz abgebügelt. Das letztendliche Interview, welches gesendet wurde, wurde dann nochmal gnadenlos gekürzt, so in etwa lief das ab:

“Soso, du stehst auf Füße?” – “Seit wann?” – “Socken? Sagt da keiner iiihh??” – “Ok, danke, das war Marco, der Fußfetischist aus Köln.” – BÄM.

Ok. Für viele Leute, die mit dem Thema nix zu tun haben, war das sicher maximal strange, aber nicht wirklich schlimm. Aber jeder von uns, mich eingeschlossen, muss dabei doch das Gefühl bekommen, nicht gut dargestellt zu werden. Reduziert auf ein paar Zahlen und eine Sache, die viele erstmal lustig oder komisch oder abartig finden. “Socken?? – Bah ey!”

Mir fiel dann recht schnell der Mini-Shitstorm auf Facebook ein, der kurz nach dem Uni-Video stattgefunden hatte. Ungefähr 90% der Leute, die da kommentiert haben, haben sich über uns irgendwie lustig gemacht, fanden uns weird, freakig und teilweise auch abartig.

Keiner von denen hat sich aber getraut, während des Drehs mal zu uns zu kommen, nachzufragen oder gar seine Meinung zu äußern. Lieber versteckt hinter der Anonymität die kleinen Vorurteile online raushauen und damit den Lacher auf der eigenen Seite haben. Ich habe damals länger abgewartet, aber dann doch öffentlich Stellung bezogen. Ich habe von den Erfahrungen erzählt, von den coolen Frauen, die sich bei uns bedankt haben. Von unserem Stolz und von dem, was uns ausmacht: Menschen zu sein, die offen und ehrlich sind. Cool drauf, lustig und voll nett.

Lange Rede, kurzer Sinn: Seit 12 Jahren rede ich mit den Leuten, egal ob auf der Straße oder in Interviews. Mir sind die Hintergründe wichtig. Die Ängste, die Scham und die Sorgen, die sicher die meisten von uns Fußfans kennen. Darauf kommt es an: Stellung zu beziehen, den Raum für Vertrauen und Intimität zu haben, von Ängsten und Freuden sprechen zu können.

Nicht aber, ein Stereotyp zu bedienen und das zu festigen. Nur weil es besser zur “Zielgruppe” des jungen Radios passt. Schnell abgefrühstückt wie ein Instant-Kaffee aus der Dose, eingebettet zwischen Cro und lauter Werbung.

Euch allen wünsche ich einen schönen Tag des Fußes! Bzw. korrekter: Ich hoffe, ihr hattet einen schönen Tag und werdet diese Zeilen als Ermutigung sehen, das zu feiern, was wir alle so lieben. <3