Radio? Geh doch weg…

einslive

Ich hätte es vorher wissen müssen.

Jeder, der öffentlich eine Webseite betreibt, ist über gute Werbung und Publicity dankbar. Nun ist es ja leider so, dass Webseiten zum Thema Fußfetisch/Fußliebhaberei im allgemeinen immer noch mit einem Tabu behaftet sind und gerne belächelt werden.

Ich wiederhole das seit Jahren wieder und wieder:
Wir sind keine Creeps! Wir sind normal. Wir sind cool. Füße sind nicht eklig.

Aber naja, es ist und bleibt ein Kampf gegen Windmühlen, Tag für Tag. Was kann einem also besseres passieren als eine Mail eines öffentlich-rechtlichen Radiosenders, ob man zu einem Interview zum Thema Füße bereit wäre?
Aus Erfahrung kann ich leider sagen, dass einem viele andere bessere Dinge passieren können, denn ich habe mit Einslive bisher nicht die besten Erfahrungen gemacht. Deshalb habe ich die Anfrage zuerst abgelehnt, nur um mich von der Redakteurin überzeugen zu lassen, dass diesmal alles anders gemacht wird.

fussphantasie_patricia-BjNkuFznGHKWir haben gemailt und telefoniert, ich habe mir ihre Vita durchgelesen und ihr deshalb genügend Vertrauen geschenkt, dass sie ihren Job wohl gut und verantwortungsvoll machen wird.

Nach einigem Hin und Her haben wir uns dann zusammen mit Patricia in einem Café in Köln getroffen und fast drei Stunden über alles mögliche gesprochen. Fragen beantwortet, aus dem Nähkästchen geplaudert, intime Geschichten erzählt – es war eine vertrauensvolle Atmosphäre und wir haben viel dabei gelacht.

Letztendlich war das Ergebnis aber alles andere als das, was wir abgesprochen hatten.

Es sollte ein “Moderatorengespräch” sein, sprich: ein Moderator interviewt live auf Sendung die Redakteurin und dann sollten Schnipsel aus dem Gespräch mit Patricia und mir eingefügt werden. Ernsthaftes Behandeln des Themas, keine Lächerlichkeit daraus machen, Webseite erwähnen, Hintergründe beleuchten – das war meine Vorgabe.

Eigentlich sollte ich auch vorab zu Hören bekommen, welche Schnipsel gesendet werden, aber was ich bekam, war eine Nachricht 3 Stunden vor der Sendung: “Nachher ist es so weit!” – Hurra…

Ja, was soll ich sagen? Vielleicht geht es bei Einslive nicht anders, vielleicht werden die Hörer für aufmerksamkeitsbefreit gehalten, junge Zielgruppe, was weiß ich.
Der Moderator war einfach ein Affe. Er hat der Redakteurin zwar “ernsthafte” Fragen gestellt, aber kennt ihr das, wenn man die ganze Zeit dabei prustet und einen ironischen Unterton hat? So wird jedes ernsthafte Gespräch unglaubwürdig und das Thema dann doch ins Lächerliche gezogen. Ambivalenz lässt grüßen.

Natürlich wurde auch keine Webseite oder Patricias Instagram genannt, die Schnipsel waren jetzt so lala und nicht das, was ich ausgewählt hätte. Wenn mir die Redakteurin, wie vorher vereinbart, eine Probe geschickt hätte, hätte ich keine Sendefreigabe erteilt. So aber hatten die wenigstens ihre Story und wir sind alle keinen Schritt weiter.

Zugegeben, die beiden gesendeten Beiträge waren jetzt nicht unterirdisch und Patricia und ich wurden auch nicht für dumm verkauft. Aber auch in nur 5 Minuten hätte man wertvollere Informationen zusammentragen und vielleicht auch einen Bildungsauftrag für junge Hörer erfüllen können. Gerade die jungen Leute sind es nämlich, die am meisten unter einem Fetisch leiden, weil sie keine Anlaufstelle und keinen Gesprächspartner haben und sich beschissen einsam fühlen.

So aber wurde erneut eine Chance vertan. Der Moderator hatte wenigstens seinen Spaß.
Und die Redakteurin? Sie wollte was Gutes machen. Das glaube ich ihr. Aber Absprachen sollte man einhalten und wenn sich Dinge ändern, weil “von oben” bestimmte Vorgaben gemacht werden, dann muss man das kommunizieren. Vorher. Und nicht hinterher, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Die Mitschnitte sind online nicht verfügbar, aber ich habe sie hier. Ich kläre das, inwieweit ich das Interview veröffentlichen darf.